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Impulse - Texte zur Meditation

Drei Dinge
musst du dir und den anderen wünschen
die Gesundheit
die Freude
und die Freunde

Drei Dinge
musst du beherrschen
dein Temperament
deine Zunge
dein Benehmen

Drei Dinge
musst du kultivieren
den Mut
die Güte
die Liebe zu den Mitmenschen

Drei Dinge
musst du geben
dein Mögliches für die Armen
ein Wort des Trostes den Traurigen
ein Wort des Lobes denen, die es verdient haben

Drei Dinge
musst du vermeiden
die Grausamkeit
die Überheblichkeit
die Undankbarkeit

Drei Dinge
musst du bewundern
die Schönheit der Natur
die Kinder
die alten Menschen


Spurensuche

Manchmal ist es gut und nötig,

draußen zu sein, am Rand,

wo ich Kontakt habe zu Menschen,

wo ich mich den Aufgaben des Lebens zu stellen habe,

wo Betriebsamkeit herrscht

und eine Bewegung die andere ablöst.

Manchmal ist es gut und nötig,

drinnen zu sein, nahe der Mitte,

wo ich allein bin,

wo nichts von mir verlangt wird,

wo die Bewegungen langsam zur Ruhe kommen

und Stille herrscht.

Rand und Mitte gehören zusammen

und bilden das Ganze,

in dem vieles aufblühen und Früchte tragen kann.

Freuen wir uns an den Schritten hin und her,

den kleinen zaghaften hinein und hinaus,

den großen und mutigen gelegentlich,

die wir miteinander gehen.

Bruno Döring


Seligpreisungen

Glücklich,
wer seinen Sieg dankbar feiert,
ihn annimmt wie ein Geschenk.
Glücklich,
wer verlieren kann,
ohne den Kopf zu verlieren,
Glücklich,
wer in Sport und Spiel Freiheit spürt.
Glücklich,
wer sich ganz einsetzen kann,
ohne sich im Ehrgeiz zu verzehren.
Glücklich,
wer ein gutes Team erlebt –
beim Spiel und im Leben.
Glücklich,
wer im anderen immer den Menschen sieht,
nicht nur den Gegner.
Glücklich,
wer sich erholen kann bei Sport und Spiel.
Glücklich,
wer beim Training des Körpers
die Seele nicht vergisst.
Glücklich,
wer mit Körper und Seele
Gott, den Schöpfer, lobt.


Vergiss nicht, deine Früchte zu ernten.

Was lange gepflegt, lange gewachsen ist, kann jetzt geerntet werden. Wir dürfen uns freuen, wir dürfen genießen und wir sollten nicht vergessen zu teilen.

Du darfst dich freuen,
wenn du
ruhig zugehört und verstanden,
unterstützt und feinfühlig begleitet,
angemessen gefördert und ermutigt,
wohlwollend bestärkt und geführt,
geduldig gewartet und ermöglicht hast.

Du darfst dich freuen,
wenn Mitmenschen dir danken.

Und vergiss nicht zu danken
für all die Fähigkeiten,
die dir geschenkt sind,
die all dies bewirkt haben.


Sei offen für Veränderung

Viele bedauern es, wenn der Sommer vorüber ist – die heißen Tage und warmen Nächte -die Zeit, in der viele im Freien leben. Andere sind froh, dass es kühler wird und die Nächte angenehmer sind.

Viele freuen sich auf diese Jahreszeit, wenn sich die Blätter verfärben und die Früchte reifen, wenn Nebeltage die Landschaft verändern und alles langsamer werden lassen, wenn Winde über die Landschaft hinwegfegen und das Laub von den Bäumen blasen.
All diese Veränderungen sind uns Symbol. Auch bei uns verändert sich manches sehr schnell. Obwohl wir wissen, dass alles im Fluss ist, sind wir doch manchmal überrascht, wenn heute so vieles ganz anders ist als gestern.

Obwohl ich weiß,
wie sehr sich alles verändert,
Staune ich immer wieder von neuem:
Ich bewundere die Farben der Blätter,
genieße die süßen Früchte
und weiß,
dass bald alles ruhen muss,
wenn Neues werden soll.


Ernte, sei dankbar und teile

Was lange gepflegt, lange gewachsen ist, kann jetzt geerntet werden. Dankbar für die Fülle freuen wir uns und feiern miteinander, weil wir wissen, dass wir uns zwar bemühen können, dass es aber letztlich nicht in unser Hand liegt, ob die Ernte reich sein wird. Wir dürfen uns freuen, wir dürfen genießen und wir sollen nicht vergessen zu teilen.

Vergiss nicht,
Deine Früchte zu ernten.

Du darfst dich freuen,
wenn du
ruhig zugehört und verstanden,
unterstützt und feinfühlig begleitet,
angemessen gefördert und ermutigt,
wohlwollend bestärkt und geführt,
geduldig gewartet und ermöglicht hast.

Du darfst dich freuen,
wenn Mitmenschen dir danken.

Und vergiss nicht zu danken
für all die Fähigkeiten,
die dir geschenkt sind,
die all dies bewirkt haben.


Licht sein

In einem Winkel der Welt kauerte verbissen, trotzig und freudlos eine dicke, schauerliche Finsternis. Plötzlich erschien in dieser Not ein kleines Licht, klein, aber ein Licht. Jemand hatte es hingestellt. Es war ganz einfach da und leuchtete. Einer, der vorüberging, meinte: “Du ständest besser woanders als in diesem abgelegenen Winkel.” “Warum?” fragte das Licht. “Ich leuchte nicht, um gesehen zu werden, nein, ich leuchte, weil es mir Freude macht, Licht zu sein.” Aber die düstere Finsternis ging zähneknirschend und wütend gegen das Licht an. Und doch war die ganz grosse Finsternis machtlos gegen dieses winzige Licht.


Von guten Mächten...

Von guten Mächten wunderbar geborgen,
Erwarten wir getrost
Was kommen mag.
Gott ist mit uns
Am Abend und am Morgen
Und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

(Dietrich Bonhoeffer)


Die Geschichte vom Salzmännchen

Es war einmal ein Salzmännchen, das durch warme Gegenden und Wüsten gewandert und so ans Ufer des Meeres gekommen war. Plötzlich entdeckte es das Meer. Es hatte es nie vorher gesehen und verstand es deshalb nicht. “Wer bist du?” fragte das Männchen. “Ich bin das Meer,” antwortete das Meer. “Aber was ist das Meer?” bohrte das Salzmännchen weiter. “Ich” entgegnete das Meer. “Ich verstehe es nicht,” murmelte das Männchen traurig vor sich hin. “Aber wie nur könnte ich dich verstehen? Ich wünsche es so sehnlich!” “Berühr mich,” sagte das Meer. Und scheu berührte das Salzmännchen mit seinen Zehenspitzen das Meer. Und es begann das Geheimnis des Meeres zu verstehen! Aber sehr schnell merkte es, dass seine Zehenspitzen verschwunden waren. “Was hast du gemacht, Meer?” “Du hast etwas gegeben um mich verstehen zu können,” sagte das Meer. Und das Salzmännchen begann, sich langsam und sanft im Meer aufzulösen, wie jemand, der den wichtigsten Akt seines Pilgerlebens verwirklicht. In dem Maß, wie es im Meer eintauchte, wurde es Stück für Stück dünner. Aber im gleichen Maß hatte es den Eindruck, das Meer besser zu verstehen. Das Männchen wurde immer dünner und fragte sich weiter: “Was ist das Meer?” Bis eine letzte Welle es ganz aufzehrte. Aber in diesem Augenblick konnte es noch die Antwort des Meeres zu seiner eigenen machen und sagen: “Ich bin das Meer.”


Fantasiereise

Du sitzt mit geschlossenen Augen auf deinem Stuhl oder liegst auf dem Boden. Du atmest ruhig ein und aus. Du nimmst die Geräusche um dich herum wahr, sie stören dich aber nicht.

Du möchtest jetzt den Raum verlassen. Du stehst in Gedanken auf und gehst aus dem Raum und aus dem Haus. Nach einer Weile kommst du auf einen Feldweg, links und rechts sind Felder, Du gehst Richtung Wald, Du riechst und hörst die Natur. Am Waldrand siehst du eine wunderschöne Blume. Du bleibst stehen und schaust sie dir genau an. Wie duftet sie? Du gehst weiter in den Wald hinein. Du kommst zu einem großen Baum, es ist eine Fichte. Du stehst eine Zeit lang ganz nahe bei ihr. Du umarmst ihren Stamm. Sie wird dir Kraft für den weiteren Weg geben. Nun gelangst du an einen Bach. Du folgst seinem Lauf. Du kommst zu einem großen Stein, er ist die ersten von sieben Stufen. Hier triffst du eine Begleiterin oder einen Begleiter. Zusammen geht ihr nun weiter. Ihr erklimmt die zweite Stufe, die dritte, die vierte, die fünfte, die sechste, jetzt steht ihr auf der siebten Stufe. Von hier aus kannst du gehen wohin du willst. Vielleicht auf einen Berg, an einen See, ans Meer, in die Wüste. Alleine, zu zweit? Geh, wohin immer du willst. Achte darauf, welche Personen du auf deiner Reise triffst und was du alles siehst. Ich lasse dich nun für einige Zeit allein und hole dich dann wieder zurück.

(Nach ca. 10 Minuten) Es ist nun Zeit wieder zurückzukommen. Verabschiede dich von der Umgebung und von den Menschen, die du getroffen hast.
Du stehst wieder auf der siebten Stufe. Du gehst langsam die Stufen wieder hinunter. Auf der untersten Stufe verabschiedest du dich von deiner Begleiterin oder deinem Begleiter. Nun gehst du zurück durch den Wald. Du siehst die Fichte und die Blume am Wegesrand. Über den Feldweg kommst du zurück zu jenem Haus und in das Zimmer, in dem du gestartet bist.

Du bist jetzt ganz entspannt und ruhig und doch voller Energie. Sobald du magst, öffnest du die Augen wieder.


Einen Freund finden

“Bitte… zähme mich!” sagte der Fuchs. “Ich möchte wohl”, antwortete der kleine Prinz, “aber ich habe nicht viel Zeit. Ich muss Freunde finden und viele Dinge kennen lernen.”

“Man kennt nur die Dinge, die man zähmt”, sagte der Fuchs. “Die Menschen haben keine Zeit, mehr, irgendetwas kennen zu lernen. Sie kaufen sich alles fertig in den Geschäften. Aber da es keine Kaufläden für Freunde gibt, haben die Leute keine Freunde mehr. Wenn du einen Freund willst, so zähme mich!”

“Was muss ich da tun?” sagte der kleine Prinz.

“Du musst sehr geduldig sein”, antwortete der Fuchs. “Du setzt dich zuerst ein wenig abseits von mir ins Gras. Ich werde dich so verstohlen, so aus dem Augenwinkel anschauen, und du wirst nichts sagen. Die Sprache ist die Quelle der Missverständnisse. Aber jeden Tag wirst du dich ein bisschen näher setzen können…”

(Antoine de St. Exupéry, Der Kleine Prinz)


Glaube

Glaub, dass du einen Beitrag zu geben hast.
Du wirst wahrscheinlich den Kurs der Welt nicht verändern,
kein Held auf internationaler Szene sein.
Aber da, wo du bist, wirst du als du gebraucht.

Es entsteht ein Loch, wenn du weg bist.
Aber du musst es glauben und dich auch so bewegen:
Nur wenn du du bist, leistest du einen wichtigen Beitrag.

Wenn du Rollen spielst und tust, was alle tun
oder was man von dir verlangt,
dann fehlt niemand, wenn du weg bist,
weil ein anderer die Rolle übernimmt.

Du bist mehr als deine Rolle – Wer bist du?

Ulrich Schaffer


Entwurf für ein Osterlied

Die Erde ist schön, und es lebt sich
leicht im Tal der Hoffnung.

Gebete werden erhört. Gott wohnt
nah hinterm Zaun.

Die Zeitung weiß keine Zeile vom
Turmbau. Das Messer
findet den Mörder nicht. Er
lacht mit Abel.

Das Gras ist unverwelklicher
grün als der Lorbeer. Im
Rohr der Rakete
nisten die Tauben.

Nicht irr surrt die Fliege an
tödlicher Scheibe. Alle
Wege sind offen. Im Atlas
fehlen die Grenzen.

Das Wort ist verstehbar. Wer
Ja sagt, meint Ja, und
Ich liebe bedeutet: jetzt und
für ewig.

Der Zorn brennt langsam. Die
Hand des Armen ist nie ohne
Brot. Geschosse werden im Flug
gestoppt.

Der Engel steht abends am Tor. Er
hat gebräuchliche Namen und
sagt, wenn ich sterbe:
Steh auf.

Rudolf Otto Wiemer


Die Quelle

Eine große Dürre war über das ganze Land gekommen. Zuerst vertrocknete das Gras. Dann gingen die Büsche und Sträucher ein. Kein Regen kam, und auch der Morgen brachte keinen erfrischenden Tau.

In großer Zahl waren die Tiere verdurstet. Nur wenige hatten die Kraft besessen, aus der Wüste zu fliehen. Die Trockenheit nahm kein Ende. Sogar die größten und stärksten Bäume, die tief im Erdreich wurzelten, verloren ihre Blätter. Alle Quellen und Brunnen, alle Bäche und Flüsse vertrockneten.

Wie durch ein Wunder war eine einzige Blume am Leben geblieben; eine winzige Quelle spendete ihr noch ein paar Tropfen Wasser. Aber die kleine Quelle war verzweifelt.

Sie sagte: „Alles vertrocknet, verdurstet und stirbt um mich herum. Ich kann daran nichts mehr ändern. Wozu soll ich noch die paar Tropfen aus der Erde holen?“

In der Nähe stand ein alter kräftiger Baum. Er hatte die Klage der Quelle gehört und sagte zu ihr: „Keiner erwartet von dir, dass du die ganze Wüsten vor dem Verdursten rettest. Deine Aufgabe ist es, dieser kleinen Blume das Leben zu erhalten. Mehr nicht.“

(Afrikanisches Märchen)