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16. Januar 2011

DJK-Bundesjugendtag 2011

Schweigen ist feige – erkennen, entscheiden, einmischen

Anspiel der DJK-Sportjugend Oberwesel.

„Schweigen ist Feige“, so lautete das Motto des diesjährigen DJK-Bundesjugendtages in Oberwesel. Dieses Thema sollte ein Aufruf an die Verantwortlichen der DJK-Sportjugend sein, um sich einmal mit Fragen, Themen und Problemen auf allen Ebenen auseinander zusetzen. Nahezu alles wurde an- und ausgesprochen. Dabei half eine neue Arbeitsweise, die „Open-Space“-Methode, um mit Personen auf neuen Wegen ins Gespräch zu kommen.

Eröffnung der Konferenz
Nachdem die Delegierten eingecheckt hatten und mit einem alkoholfreien Begrüßungscocktail der Kampagne „alkoholfrei Sport genießen“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) empfangen wurden, hatten sie die Möglichkeit durch Speed-Dating (schnelles Kennenlernen) sich erstmals zu begegnen. Hierbei saßen sich immer zwei Teilnehmer gegenüber, die sich einander Fragen stellten. Dabei hatten sie Möglichkeit auf sehr amüsante Fragen zurück zu greifen oder sich eigene Fragen auszudenken. Nach fünf Minuten rückte jeweils eine Person einen Stuhl weiter, um möglichst viele Konferenzteilnehmer kennen zu lernen. Nach dieser doch sehr außergewöhnlichen Einstiegsphase stimmte Bundesjugendleiter Michael Leyendecker (DJK Selbach/DV Trier) mit einem Impuls auf die bevorstehende Tagung ein. Er erläuterte in seinen Ausführungen kurz das Motto des diesjährigen DJK-Bundesjugendtages und wies auch darauf hin, dass die vielen ans Tageslicht gekommenen Missbrauchsfälle mit ein Grund dafür gewesen sind, warum sich die Bundesjugendleitung für dieses Motto entschieden hat. Die DJK-Sportjugend, ist einer der ersten Sportverbände gewesen, die mit selbsterarbeiteten Handreichungen auf diese Fälle reagiert hat.

Im Weiteren berichtete die Bundesjugendleitung über die verschiedenen Aktionen, die im vergangen Jahr gelaufen sind. So referierte z.B. Milko Mikosch (Beisitzer) über den Ökumenischen Kirchentag 2010 in München, Wolfgang Rölver (Wahlausschuss) über das DJK-Bundessportfest in Krefeld und Michael Leyendecker vom FICEP-Camp in Melk, dem internationalen Zusammenschluss der katholischen Sportverbände. Vorgestellt wurde auch die Weiterentwicklung der Aktion „Kinder stark machen“ der BzgA. Die Vereine sollen zukünftig bei nachhaltigen Aktivitäten zur Suchtprävention für Kinder und Jugendliche im Verein, ein Qualitätssiegel erhalten.

Tagesausklang
Als Tagesausklang hatte die Diözesanjugendleitung Trier gemeinsam mit der DJK-Sportjugend Oberwesel ein Friedensgebet vorbereitet, das in historischer Kulisse rund um das Jugendgästehaus und die Schönburg verlief. Die Teilnehmer durchliefen drei Stationen bei denen das Thema „Feuer“ das zentrale Anliege darstellte. Begleitet mit Saxophon wurden Gebet und Impulse vorgetragen. Im Anschluss wurden Wünsche der Teilnehmer an das Wochenende notiert und den Flammen eines Lagerfeuers übergeben. Das Lied „Einer hat uns angesteckt“ beendete diesen stimmungsvollen Tagesausklang.

Fortführung der Konferenz
Bevor es am Samstagmorgen mit der Konferenz weiter ging führte die Bundesjugendleitung durch einen Bewegungsimpuls mit dem Themas Körperwahrnehmung in den Tag ein. Alice Waldeit (DV Essen) wurde anschließend in offener Wahl von den 61 Delegierten einstimmig gewählt. Die 21-jährige tritt damit, nach einem Jahr Vakanz, die Nachfolge von Astrid Markmann als Bundesjugendleiterin an. Ebenfalls einstimmig wurde Lena Jansen (DV Aachen) zu ihrer Stellvertreterin gewählt. Mit diesen Ergänzungswahlen wurde die geschäftsführende Bundesjugendleitung, zu denen noch der Bundesjugendleiter Michael Leyendecker und sein Stellvertreter Daniel Schnack (DJK Ochtendung/DV Trier) gehören, komplettiert. Jette Menzel (DV Limburg) wurde als Beisitzerin hinzu gewählt. Damit besteht die DJK-Bundesjugendleitung nun aus sieben gewählten und zwei beratenden Mitgliedern.

Inhaltlich arbeitete die Versammlung am Thema „Demografischer Wandel -Chancen und Gefahren! Was die demografische Entwicklung für den Sport so alles mit sich bringt“ gemeinsam mit Prof. Dr. Peter-Ulrich Wendt, der Mitglied der DJK Kolping Northeim und Diözesanjugendleiter des DV Hildesheim ist. Anschließend wurden mit Hilfe der „Open Space“-Methode, mottogetreu offene Räume geschaffen und mit Diskussionsrunden gefüllt. Dabei wurden die Themen durch die Delegierten eingebracht: Fragen des ehrenamtlichen Engagements, Schwierigkeiten bei den Anmeldungen zu Maßnahmen, das neue KSM-Verfahren waren einige der gewählten Themen.

Oberwesel entdecken

Weihbischof Peters mit dem Flexibar.

Nach dieser doch sehr intensiven Arbeitsphase konnten die Teilnehmer Oberwesel entdecken und kennen lernen. In der Liebfrauenkirche bestaunten sie den prachtvollen Goldaltar und lauschten anschließend den Klängen der Orgel, bevor sie in der Turnhalle ihre Teamfähigkeit an vielen Kooperationsspielen ausprobierten, über eine Slackline balancierten oder Übungen mit dem Flexibar erlebten. Natürlich standen auch die Sehenswürdigkeiten von Oberwesel im Mittelpunkt, die den Teilnehmern durch Stadtführer nahe gebracht wurden. So ging es zum Kloster, zum Hufeisen auf dem Marktplatz, zum Roten Turm und über die begehbare Stadtmauer.

Gottesdienst mit Bischof Dr. Stephan Ackermann
Nach einer kleinen Stärkung mit Kaffee und leckerem Kuchen fanden sich die Teilnehmer wieder in der Liebfrauenkirche ein, um mit dem Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann und Weihbischof Jörg Michael Peters gemeinsam einen Jugendgottesdienst zu feiern. Es war ein wirklich schöner Gottesdienst in dem sich alles um das Motto des DJK-Bundesjugendtages „Schweigen ist Feige – erkennen, entscheiden, einmischen“ drehte. Die DJK-Sportjugend aus Oberwesel führte hierzu ein Anspiel vor, in dem ein Junge ausgegrenzt und diskriminiert wurde und zwei Mädchen endlich den Mut hatten einzuschreiten und mit dem Jungen gemeinsam zu spielen, um ihn in ihre Clique aufzunehmen. Bischof Stephan griff den Gedanken auf und machte der Gemeinde Mut hinzuschauen und in brenzligen Situationen einzugreifen und nicht wegzuschauen oder einfach zu schweigen. Zwei Bewegungsimpulse mit dem Fallschirm und die musikalische Begleitung durch den Jungen Chor „Carduelis“, unter der Leitung des Regionalkantor Lukas Stollhof (Oberwesel), lockerten den Gottesdienst auf.

Doch damit nicht genug, das eigentliche Highlight des dreitägigen DJK-Bundesjugendtages war das Festbuffet und das anschließende Gespräche mit Bischof Dr. Stephan Ackermann. Sympathisch, glaubwürdig und offen präsentierte sich der Bischof im direkten Kontakt mit den Delegierten. Sichtlich angetan von der guten Atmosphäre verabschiedete er sich zu später Abendstunde mit guten Gedanken und Erinnerungen Richtung Trier.

Abschluss
Der abschließende Konferenztag war geprägt durch die Zusammenfassung der Ergebnisse der Open-Space-Phase sowie der Reflektion des Wochenendes. Natürlich kam der Dank an die ausrichtende DJK-Sportjugend Oberwesel und an die DJK-Diözesanjugendleitung Trier nicht zu kurz, denn schließlich wurde mit großem Aufwand und Engagement sowie viel Herz ein besonderer DJK-Bundesjugendtag umgesetzt. Mit der herzlichen Einladung für den DJK-Bundesjugendtag 2012 nach Passau endeten die drei herrlichen Tage in Oberwesel.

„Mut zum Hinschauen und Stimme erheben“ Bischof Dr. Stephan Ackermann im Dialog mit den Delegierten des DJK-Bundesjugendtages

Bischof Dr. Stephan Ackermann im Dialog.

Er zeigte sich offen und interessiert, der Bischof von Trier Dr. Stephan Ackermann. Behutsam und vorsichtig näherte er sich dem Thema Sport an. Im Rahmen des DJK-Bundesjugendtages in Oberwesel stellte er sich für ein Gespräch mit Rainald Kauer, dem Jugend- und Bildungsreferent der DJK im Bistum Trier zur Verfügung. Dabei wurde das jugendliche Publikum in den Dialog eingebunden und Fragen gerne aufgegriffen. Eine Stunde erlebten die Anwesenden einen Bischof, der aufmerksam zuhörte und ein hohes Maß von Glaubwürdigkeit und Authentizität mit seinen Antworten ausstrahlte. Bei einem trockenen Mittelrheinriesling, erzählte er von seinen Siegen und Niederlagen im Sport, die gerade beim Fußball nicht von Erfolg beschieden waren. Natürlich auch davon, dass er gerne einen Wein trinkt und dies nunmehr als Weingutsbesitzer, die Bischöflichen Weingüter in Trier sind Vorzeigemanufakturen auf die er stolz ist.

Gerade aus Israel von einer Dienstreise zurück gekehrt, wusste er über besondere Erlebnisse bei den Gesprächen mit den Christen in Israel und Palästina zu berichten und die Brücke zum Mittelrheintal nach Oberwesel zu schlagen, wo im Mittelalter die ersten großen Judenverfolgungen ausgingen. Im Bewusstsein dieser belastenden Geschichte ist es eine besondere Bürde, aber auch Herausforderung für den Frieden diesen wichtigen Dialog zu begleiten und zu fördern. Toleranz vor Augen, um eine gemeinsame friedliche Zukunft zu schaffen, das sind die Perspektiven.

Besonders interessiert zeigte sich Bischof Stephan am Thema des DJK-Bundesjugendtages „Schweigen ist feige – erkennen, entscheiden, einmischen“, das er bereits im Vorfeld bei der Bischofsmesse in der Liebfrauenkirche aufgegriffen hatte. Er machte den Delegierten Mut hinzuschauen und die Stimme zu erheben, aber auch feinfühlig Situationen zu erkennen, wo es besser ist einmal zu schweigen. Dabei hilft Gemeinschaft und Kommunikation, damit Situationen nicht entstehen und eskalieren, die wir alle nicht wünschen. Der Sport ist in der Lage Kinder und Jugendliche stark zu machen, wenn sie dann noch die Gemeinschaft von Christen erleben und ihnen hier Lebensräume angeboten werden, dann steht einer guten Entwicklung nichts im Wege. In diesem Zusammenhang erlebte Bischof Stephan die Vorführung einer Video-Clip-Dance-Gruppe der DJK Rheinwacht Oberwesel, die ihm ihr Engagement im Tanzen eindrucksvoll demonstrierten. Dass die DJK für die Kirche die Chance eröffnet Menschen zu erreichen, die scheinbar weit entfernt von Kirche stehen, das unterstrich er. „Wir müssen für Seiteneinsteiger offen sein und diese integrieren“, da kann die DJK in ihren 85 DJK-Sportvereinen im Bistum Trier einiges leisten, auch wenn man die Ergebnisse nicht so konkret beschreiben kann. “Ich weiß nicht, ob eine Mitgliedschaft in der DJK mich nachhaltiger in das Bischofsamt geführt hätte“.

Im Sport bewegen sich die verantwortlichen Übungsleiter und Trainer immer in einer besonderen Situation. Es gibt Sportarten, wie das Turnen und Rhönradturnen, wo ohne Hilfestellung und Zupacken Bewegungsabläufe nicht erlernt werden können. Grenzbereiche, die sehr schnell im Rahmen von sexuellem Missbrauch diskutiert werden. Seit annähernd einem Jahr ist Bischof Stephan der verantwortliche Beauftragte der deutschen Bischofskonferenz zu diesem wichtigen, aber auch schwierigen Thema. Er empfahl für das Thema zu sensibilisieren, dieses in Ausbildungsgänge zu integrieren und zu beobachten wie damit umgegangen wird. Der Dialog und der Austausch unter den Übungsleitern und Trainern ist hierbei wesentlich und wichtig. Einem geforderten erweiterten persönlichen Führungszeugnis für ehrenamtlich Tätige erteilte der Bischof eine deutliche und klare Absage und erntete für diese Klarstellung von den zahlreichen anwesenden Übungsleitern und Jugendbetreuern eine große Zustimmung. „Wir werden die Justizministerin noch von unserem Ansatz überzeugen“, so Bischof Stephan. Der Schutz der Verantwortlichen, aber auch gerade der Kinder und Jugendlichen müssen im Vordergrund stehen.

Bischof Stephan zeigte sich froh und dankbar, dass mit Weihbischof Peters ein Mann die DJK begleitet, der das Thema Sport in der Kirche vorbildlich platziert. Inwieweit es für die Aufwertung des Themas einen „Sportbischof“ braucht, wollte er nicht abschließend bewerten. Über Strukturen und Konzepte müsste gesprochen werden, allerdings lässt sich eine personelle Ausweitung bei der derzeitigen Finanzlage nicht umsetzen.

Eine Tanzdarbietung der Stadtsoldaten aus Oberwesel, eine Tanzformation junger Frauen der Kolpingfamilie und der DJK, entführte Dr. Stephan Ackermann nochmals an die Wurzeln der Arbeit in den DJK-Sportvereinen. Sichtlich gut gelaunt und angetan von seinen Begegnungen in Oberwesel versprühte er ein Bild eines Bischofs, das sich viele Anwesende wünschen: ein offenes Ohr für die Menschen, eine Wertschätzung, die Sympathie und Dialog auslöst und eine Glaubwürdigkeit, die Verständnis füreinander bewirkt. Bischof Stephan hat überzeugt und seine Aussage „Bischöfe sollten sich nicht zu wichtig nehmen“, machte ihn sympathisch.

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